Montag, 27. Juni 2011

Tim, die Ameise, und der Fluss - Teil 1

In einem Wald im tiefsten Finnland trug Tim, die Ameise, ein Blatt auf seinem Rücken. Es war das Blatt einer Zitterpappel, das zur Befestigung einer Wand im Ameisenhügel verwendet werden sollte. Tim war noch eine sehr junge Ameise und arbeitete zum ersten Mal mit allen anderen Bewohnern des riesigen Ameisenhügels  zusammen. Tausende Ameisen liefen hintereinander durch den Wald, um Materialien für den Bau  ihres Zuhauses zu sammeln. Andere sammelten Futter für die Königin des Ameisenvolkes und die Ameisenbabys, die bald schlüpfen würden.

Die Arbeit war beschwerlich, aber Tim hatte Spaß daran und  mit jedem Schritt fiel es ihm ein wenig leichter. Es war auf jeden Fall besser, als die ganze Zeit unter der Erde zu sein, und den anderen Ameisen beim Arbeiten zuzusehen. Tim balancierte das Blatt auf seinem Rücken. Ameisen können das Vielfache ihres eigenen Gewichts tragen. Ein ganzes Blatt ist  da schon ein "dicker Brocken", zumal das Blatt noch frisch  und  nicht ausgetrocknet war.

Tim lief in der Reihe der arbeitenden Ameisen mit und achtete darauf die Vorderameise nicht anzustupsen, aber auch immer so schnell zu laufen, dass die Hinterameise keine Probleme bekam. Es hatte vor kurzem geregnet.. Der Boden war noch feucht und  Tims Beine sackten immerwieder ein wenig in die Erde ein. Hin und wieder  kam ein Windstoß, der das Laufen zusätzlich erschwerte.
"Oh nein!", rief Tim, als der Wind sein Blatt erfasste und ihm aus den Armen riss. "Mein Blatt, bitte halte jemand mein Blatt fest!", bat er die anderen Ameisen. Er rannte hinter dem davonfliegenden Blatt her. Kurz darauf ließ der Wind nach und das Blatt schwebte langsam zurück auf den Boden. Tim musste abrupt stehen bleiben. Ein Rinnsal, das vom Regen hinterlassen worden war, versperrte ihm den Weg. Für Menschen war das Rinnsal kaum zu sehen. Für Ameisen jedoch stellte es ein ernsthaftes Problem dar. Es war für den kleinen Tim und alle anderen Ameisen wie ein reißender  Fluss mit einer starken Strömung. Tim würde nicht unbeschadet durch den Fluss laufen können. Die Strömung würde ihn mitreißen und weit weg von seiner Heimat treiben.

Tim war betrübt: "So ein tolles Blatt. Hier gibt es nichts, was wir derzeit im Ameisenhügel brauchen können." Ein neues Blatt zu holen, würde zu lange dauern. Die Nacht würde schön hereinbrechen, wenn Tim noch weit von Zuhause entfernt wäre. Er konnte nicht anders und musste anfangen zu weinen...

Wie die Geschichte von Tim weitergeht, erfahrt ihr im zweiten Teil von Tim, die Ameise und der Fluss.

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